Planspiele in der Praxis:

Leistungsmessung und Benotung im Planspiel an der Fachhochschule Bielefeld

Die Betriebswirtschaftslehre liefert als angewandte Wissenschaft seit jeher einen Beitrag zur Optimierung betrieblicher Entscheidungen. Daher aber stellt sich die Frage: Wie kann der Beitrag der Betriebswirtschaftslehre in Unternehmensplanspielen gemessen und den Teilnehmern entsprechend rückgekoppelt werden? In diesem Beitrag stellen wir Ihnen das Konzept der Leistungsmessung und Benotung von Planspielteilnehmern von Prof. Dr. Heiko Burchert und Prof. Dr. Jürgen Schneider vor.

An der Fachhochschule Bielefeld beschäftigen sich Prof. Dr. Heiko Burchert und Prof. Dr. Jürgen Schneider seit circa zehn Jahren mit der Leistungsmessung und Benotung von Planspielen. Neben der Benotung der Planspielleistung, die als Gruppenleistung gemessen wird, bildet sich die Gesamtnote regelmäßig noch über eine zweite klassische Prüfungsform (Präsentation, Hausarbeit oder Klausur).

Die Planspielnote ergibt sich über die gemessene Unternehmensperformance in Anlehnung an die Balanced Scorecard über verschiedene Zieldimensionen. Nach dem Ausprobieren unterschiedlicher Kennzahlen fußt das Bielefelder Modell z.B. für das Planspiel TOPSIM – General Management auf folgenden Kennzahlen: Mitarbeiterproduktivität am Ende des Spiels, durchschnittliche Kundenzufriedenheit über alle Spielperioden, Aktienkurs zum Spielende und kumulierter Economic Value Added (EVA). Grundsätzlich können auch andere Kennziffern verwendet werden, die sich messen lassen und zu einer Ausgewogenheit in der Unternehmensführung beitragen.

Zusammensetzung der Planspielnote

Zu einer großen Akzeptanz seitens der Studierenden tragen folgende Vorgehensweisen bei:

  1. Die jeweiligen Unternehmensleitungen (Spielgruppen) legen die Ziele nach ca. der Hälfte der Spieldauer fest. Dabei sind von den vier Zielen mindestens drei relevant.
  2. Die Studierenden gewichten die ausgewählten Ziele. Die Minimalgewichtung liegt bei 20%, die maximale Gewichtung darf 50% nicht überschreiten.
  3. Selbst bei einer überaus schlechten Performance in den gewählten Faktoren fällt die Note nicht unter die 4,0, sodass die Planspielleistung nicht zum Scheitern des gesamten Moduls führt.
  4. Die Unternehmen werden relativ zueinander gemessen, weil die Zielerreichungsgrade in Abhängigkeit zum Spielverhalten der Gruppen stehen. Die beste Zielerreichung bei einem Faktor führt zur Note 1,0, während die geringste Zielerreichung mit einer 4,0 bewertet wird. Die Noten 2,0 und 3,0 lassen sich über Abstandsmessungen zwischen bester und schlechtester Zielerreichung einfach zuordnen.
  5. Ein negativer Eigenkapitalbestand am Ende des Spiels schaltet alle gewählten Ziele aus und führt zur Note 4,0. Diese Restriktion war nach Erfahrungen notwendig, weil Spielgruppen über die starke Verfolgung der Ziele Produktivität und Kundenzufriedenheit das Gewinnstreben völlig außer Acht ließen und somit die Marktverhältnisse für andere Unternehmen realitätsfern beeinflussten.
  6. Anhebung der schlechtmöglichsten Note bei besonders guten Leistungen aller Gruppen: So beginnt bspw. die Notenskala für alle Faktoren bei 3,0, wenn alle Unternehmen am Ende Aktienkurse oberhalb von 300 € erreichen.

Die frühzeitige Information zu diesem Bewertungssystem und die regelmäßige Aktualisierung der Noten nach den Spielrunden in einer Excel-Tabelle führten dazu, dass die Studierenden trotz der Komplexität schnell wussten, worum es ging und worauf in ihrer Gruppe zu achten war. Die große Akzeptanz ist maßgeblich auf den Einbezug der Studierenden bei der Auswahl und Gewichtung der notenrelevanten Ziele zurückzuführen.

Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Dr. Heiko Burchert und Prof. Dr. Jürgen Schneider für die Vorstellung ihres Bewertungssystems! Wenn Sie noch weitere Anregungen für Ihre Seminargestaltung lesen wollen, empfehlen wir Ihnen diesen Blogartikel.

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